Zum Inhalt springen
DrosselgasseRüdesheim am Rhein · unabhängig

Zuletzt geprüft:

Luftbild des Niederwalddenkmals mit Germania auf dem Sockel, davor der halbrunde Platz, ringsum Wald
Denkmal und Vorplatz, umgeben vom Osteinschen Niederwald

Niederwalddenkmal

Das Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim ist über 38 Meter hoch und wurde von 1877 bis 1883 gebaut. Es erinnert an die Gründung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.1 Denkmal und Park sind frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben.2

Was das Denkmal zeigt

Im Mittelpunkt steht die bronzene Germania, eine kolossale Frauenfigur, die das Reich verkörpert. Auf dem Sockel steht die Inschrift „Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches“.1

Das Hauptrelief zeigt Wilhelm I., ein weiteres Relief trägt den Titel „Der Abschied“. Entworfen haben das Denkmal der Bildhauer Johannes Schilling (1828–1910) und der Architekt Karl Weißbach (1841–1905).1

Das Denkmal ist ein Zeugnis seiner Zeit: Es feiert die Einigung von 25 Einzelstaaten zu einem Reich, nach einem Krieg gegen Frankreich.1 Wer es besucht, sieht deshalb nicht nur ein Aussichtsziel, sondern auch ein politisches Monument des 19. Jahrhunderts. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen bieten eine kostenlose Hörführung per Smartphone-App an.2

Der Osteinsche Niederwald

Rund um das Denkmal liegt der Osteinsche Niederwald, ein Landschaftspark aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts – älter als das Denkmal selbst.3

Graf Karl Maximilian von Ostein erbte 1763 ein rund 304 Hektar großes Areal und verwandelte einen Teil davon in einen Parkwald; ab 1764 diente es ihm als Sommerresidenz. Im Wald verteilt liegen Parkbauten wie der Tempel, die Rossel – eine der frühen künstlichen Ruinen in Deutschland – und die Zauberhöhle.3 Wald und Denkmal sind frei zugänglich.3

Der Niederwaldtempel wurde im November 1944 zerstört und im Juni 2006 nach Rekonstruktion wieder eingeweiht.4 Die Zauberhöhle, um 1790 angelegt, ist ein etwa 60 Meter langer Gang, der in einer Rotunde mit Blick zum Rhein endet.5 Kurzporträts aller Parkbauten: Bekannte Namen und Orte.

Unsere Einschätzung: Wenn Sie die Seilbahn hinauf nehmen, lohnt es sich, ein bis zwei Stunden für den Park einzuplanen.

Das Jagdschloss Niederwald

Mitten im Niederwald steht das Jagdschloss Niederwald. Graf Ostein ließ es 1764 bis 1766 als „herrschaftliches Haus“ nach Plänen des Mainzer Steinmetzen Anton Süß errichten.6 Zum Anwesen gehörten eine Kapelle, Wirtschaftsgebäude für die Viehzucht, ein Haus für den Förster und ein Wirtshaus für die vielen Besucher.6

Der Niederwald wechselte danach mehrfach den Besitzer: 1853 kaufte ihn der nassauische Domänenfiskus, 1866 kam er mit dem Herzogtum Nassau an Preußen. Das Jagdschloss blieb der Mittelpunkt; Förster und später Pächter bewirteten dort die Gäste. 1886 erweiterte der Pächter das Haus um einen Saalbau und Fremdenzimmer. Nach einem Brand 1925 entstand wieder ein Hotel, das ab 1926 betrieben wurde.6 Durchgehend Hotel blieb das Haus nicht: Laut Hotel diente es im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und danach als Freizeitheim für amerikanische Offiziere.7

Im Juli 1948 berieten hier die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder über die Frankfurter Dokumente der Westmächte – die sogenannte Niederwald-Konferenz, eine Station auf dem Weg zum Grundgesetz.7,8 Die Notiz des Stadtarchivs nennt für diese Tagung den Juli 1949; Hotel und Spiegel nennen übereinstimmend 1948.6

Heute ist das Jagdschloss ein Hotel (Anschrift: Jagdschloss Niederwald 1, 65385 Rüdesheim am Rhein).9 Sie finden es in unserem Verzeichnis Unterkünfte.

So kommen Sie hin

  • Seilbahn aus der Rüdesheimer Altstadt, seit 1954.10 Details, Saison und Barrierefreiheit: Seilbahn und Wege hinauf.
  • Zu Fuß durch die Weinberge – der Seilbahnbetreiber bietet dafür eigens die Kombination „hoch mit der Seilbahn, zurück zu Fuß“ an. Siehe Seilbahn und Wege hinauf.
  • Mit dem Auto: Am Niederwalddenkmal gibt es einen ganzjährig geöffneten Parkplatz, nahe Denkmal, Tempel und Bergstation der Seilbahn.4

Ein Denkmal als Ausflugsziel

Schon zur Einweihung im September 1883 war Rüdesheim voller Gäste; das Denkmal machte die Stadt endgültig zum Ausflugsziel.11 Die ersten Besucher fuhren mit einer Zahnradbahn hinauf, heute mit der Kabinenseilbahn.12

Mehr zum Niederwalddenkmal

Bilder, Baugeschichte und vieles rund um das Denkmal sammelt das Projekt Niederwalddenkmal.de – Alles rund um das Niederwalddenkmal.13

Was Sie in der Nähe noch erleben können: Ausflugsziele · Einkehren oben am Niederwald: Essen und Trinken · Übernachten im Wald: Unterkünfte

Häufige Fragen

Kostet das Niederwalddenkmal Eintritt? Nein, Denkmal und Park sind frei zugänglich.2

Wie hoch ist das Niederwalddenkmal? Über 38 Meter.1

Wer hat das Denkmal geschaffen? Der Bildhauer Johannes Schilling und der Architekt Karl Weißbach.1

Was ist das Jagdschloss Niederwald? Ein Bau des Grafen Ostein von 1764–1766 im Niederwald, heute ein Hotel. Im Juli 1948 tagten dort laut Hotel und Spiegel die westdeutschen Ministerpräsidenten (Niederwald-Konferenz); das Stadtarchiv nennt 1949.6,7,8