Zum Inhalt springen
DrosselgasseRüdesheim am Rhein · unabhängig

Zuletzt geprüft:

Geschichte Rüdesheims

Rüdesheim wurde 1074 erstmals urkundlich erwähnt – und zwar im Zusammenhang mit dem Weinbau, den es hier schon zur Römerzeit gab. Stadt ist Rüdesheim seit 1818.1

Frühzeit und Römer

Erste sesshafte Bauern lebten hier vor rund 2.500 Jahren; Spuren finden sich in Hügelgräbern. Kurz vor der Zeitenwende erreichten die Römer den Rhein und blieben mehr als 400 Jahre. Ein um 1900 gefundenes römisches Rebschnittmesser belegt Weinbau vor rund 2.000 Jahren.1

Franken und Rheingrafen

Im 3. und 4. Jahrhundert wanderten Franken in den Rheingau ein; spätestens seit dem 8. Jahrhundert war er ein eigener Verwaltungsbezirk unter den Rheingrafen. Vermutlich richteten sie in Rüdesheim die Niederburg als Amtssitz ein; die Familie, die dort über Generationen als Beamte diente, nannte sich schließlich „Edle von Rüdesheim“ und wurde zum Ursprung eines weitverzweigten Ortsadels.1

Mittelalter: Erzbischöfe, Zoll und Adelssitze

Mit der Veroneser Schenkung 983 wurden die Mainzer Erzbischöfe Landesherren im Rheingau. Die Rheingrafen verloren nach und nach ihre Befugnisse und wurden 1279 endgültig verdrängt; an ihre Stelle trat der Vicedom als Vertreter von Mainz.1

1074 wird Rüdesheim erstmals in einer Urkunde genannt – und sie handelt vom schon florierenden Weinbau. Der steile Rüdesheimer Berg zwischen Stadt und Burg Ehrenfels war damals bereits mit Riesling- und Orleansreben bepflanzt. Von jeder Traubenbütte beanspruchte die Obrigkeit den Zehnten; nur der Besitz des Adels blieb zehntfrei.1

Mainz erhob in Rüdesheim Zoll auf den Warenverkehr am Rhein – so einträglich, dass sich um 1220 der Bau der Zollburg Ehrenfels über dem Binger Loch lohnte. Neben der Niederburg bauten Zweige des Ortsadels eigene Sitze: die Oberburg der „Füchse von Rüdesheim“, den Brömserhof der „Brömser von Rüdesheim“ und die Vorderburg an der Westseite des Marktplatzes. 1390 ließen die Ritter Brömser Langhaus und Chor der Pfarrkirche St. Jakobus neu errichten.1

Am Rhein steht die rund tausend Jahre alte Brömserburg; Holzpfähle ihres Fundaments wurden dendrochronologisch auf die Zeit zwischen 1044 und 1185 datiert.2 Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Stadtmauer von der Löhrstraße bis zur Steingasse erweitert; erhalten ist der Adlerturm, ein ehemaliger Pulverturm.1

Eine Stadt der Schiffer

In Rüdesheim endete die Landstraße am steilen Rheinufer; wer weiter rheinabwärts wollte, musste aufs Schiff. Viele Rüdesheimer lebten deshalb als Fracht- und Fährschiffer, Lotsen und Floßsteuerleute, und für die wartenden Reisenden gab es schon früh eine Reihe von Gasthöfen.1

Einen „Kaufmannsweg“ über die Höhen nach Lorch, auf dem schwer beladene Fuhrwerke das Binger Loch umfahren hätten, hat es nach Angaben der Stadt nie gegeben: Die Register der Zollburg Ehrenfels zeigen, wie viele Güter auf dem Rhein durch das Binger Loch kamen.1

Kriege und Wiederaufbau

1525 beteiligten sich Rüdesheimer und Eibinger am Bauernkrieg. Mit dem Dreißigjährigen Krieg begann eine lange Notzeit, die sich in den Erbfolgekriegen bis 1815 fortsetzte; 1686 musste der Mainzer Landesherr die Bürger mit Vergünstigungen zum Wiederaufbau ermutigen, 1689 wurden die Burgen nach Angaben der Stadt zu Ruinen zerstört. Viele Güter wurden herrenlos und gingen im 18. Jahrhundert billig an Auswärtige, die „Forensen“.1

Nassau, Preußen, Tourismus

1806 fiel der Rheingau an das Herzogtum Nassau; 1818 erhielt Rüdesheim – so die Stadt selbst – „stillschweigend“ den Status einer Stadt. 1867 wurde es preußisch und Kreisstadt des Rheingaukreises.1

Auf Missernten und leere Kassen folgten die Unruhen von 1831 und 1848, die sich auch auf dem Niederwald abspielten. Mit dem ersten Dampfschiff 1825 und der Eisenbahn 1856 kamen dann Reisende und Absatz für den Wein; neben dem Weinhandel entstanden Schaumweinkellereien und Weinbrennereien.1

Innerhalb von rund fünfzig Jahren wurde Rüdesheim zur modernen Stadt: Ab 1830 wurde der alte Stadtgraben zur Grabenstraße überwölbt, 1842 entstand die erste Synagoge, 1862 eine evangelische Kirche und eine Gasfabrik; 1888 läutete das erste Telefon, 1892 ersetzte eine Wasserleitung die Brunnen, 1899 öffnete eine neue Volksschule und ab 1902 ein Krankenhaus.1 Von 1877 bis 1883 entstand auf dem Niederwald das Niederwalddenkmal.3 Hinauf ging es zuerst mit einer Zahnradbahn, seit 1954 mit der Seilbahn.4 Wie in dieser Zeit die Drosselgasse berühmt wurde: Geschichte der Drosselgasse.

1944 und danach

Am 25. November 1944 traf ein schwerer Bombenangriff die Stadt; über 200 Menschen starben. Die ältesten Gebäude der Altstadt blieben verschont.1 Nach dem Krieg entstanden neue Siedlungen (Windeck 1953, Trift 1970, Rüdesheim-Ost 1977). Mit der Gebietsreform 1977 kamen Assmannshausen, Aulhausen und Presberg zu Rüdesheim, und die Kreisverwaltung zog nach Bad Schwalbach.1

Zeitleiste

JahrEreignisQuelle
vor ca. 2.500 Jahrenerste sesshafte Bauern, Hügelgräber1
um die ZeitenwendeRömer am Rhein, Weinbau1
983Mainzer Erzbischöfe Landesherren im Rheingau1
1044–1185Gründungspfähle der Brömserburg2
1074erste urkundliche Erwähnung1
um 1220Zollburg Ehrenfels1
1279Rheingrafen verdrängt, Vicedom für Mainz1
15./16. Jh.Erweiterung der Stadtmauer, Adlerturm1
1525Bauernkrieg1
1689Burgen zu Ruinen zerstört1
1806Herzogtum Nassau1
1818Stadtstatus1
1825 / 1856erstes Dampfschiff / erste Eisenbahn1
1842erste Synagoge1
1867Preußen, Kreisstadt1
1877–1883Niederwalddenkmal3
25.11.1944Bombenangriff, über 200 Tote1
1954Seilbahn zum Niederwald4
1977Gebietsreform1